Grüner Wasserstoff in Marokko: Genehmigungen, Flächen und Abnahmeverträge

Das Wichtigste in Kürze: Mit der "Offre Maroc" (März 2024) hat Marokko einen Rahmen geschaffen, der die gesamte Wertschöpfungskette des grünen Wasserstoffs abdeckt, von der Stromerzeugung über die Elektrolyse bis zu Ammoniak, Methanol und synthetischen Kraftstoffen. MASEN koordiniert als zentrale Agentur, der Staat hat rund eine Million Hektar öffentliches Land ausgewiesen, und die Flächen werden über ein Auswahlverfahren zugeteilt, nicht am freien Markt erworben. Investoren profitieren von der Investitionscharta 2022; die angemeldete Projektpipeline übersteigt bereits 35 Milliarden US-Dollar.

Strategie und Ausgangslage

Marokkos Energiewendestrategie baut auf mehr als einem Jahrzehnt Vorreiterrolle bei den erneuerbaren Energien auf. Hohe Solareinstrahlung und kräftige Windregime entlang der atlantischen und saharischen Korridore treffen auf eine eingespielte Lieferkette für Erzeugungsanlagen, Netzausbau und Projektumsetzung.

Drei strukturelle Vorteile tragen die Ambitionen. Erstens Geografie und Infrastruktur: Atlantikhäfen, die Logistikplattform Tanger Med und etablierte Korridore nach Europa ergeben ein kostenseitig wettbewerbsfähiges Exportangebot. Zweitens politische Kontinuität, denn die langjährigen Erneuerbaren-Programme stützen das Vertrauen der Investoren. Drittens die Nachfrageseite: Europäische Industrie- und Energieunternehmen stehen unter wachsenden Dekarbonisierungsanforderungen, Marokko positioniert sich als naher Lieferant grüner Moleküle.

Der rechtliche Rahmen

Grüne Wasserstoffprojekte liegen am Schnittpunkt mehrerer Regelungsbereiche: Erneuerbaren-Recht, Strommarkt, Industrierecht, Umweltrecht und Exportregime. Im Zentrum steht das marokkanische Erneuerbaren-Recht, das private Erzeugung aus Sonne und Wind, den Zugang zu Flächen und Netzanschlüsse unter definierten Bedingungen ermöglicht.

Projektentwickler sollten daneben die Querschnittsmaterien früh kartieren. Dazu gehören das Umwelt- und Sozialrecht mit Verträglichkeitsprüfungen und öffentlichen Konsultationen, die wasser- und küstenrechtlichen Rahmen für Entsalzung und Küstenanlagen, das Investitions- und Devisenrecht für Kapitalzufluss und Rückführung sowie die Industrie- und Sicherheitsvorschriften für die Produktion von Wasserstoff und Ammoniak.

Flächensicherung für die Projektentwicklung

Wasserstoffplattformen im industriellen Maßstab benötigen große, zusammenhängende Flächen. Das marokkanische Recht kennt hierfür mehrere Wege. Für strategische Standorte in Küsten- und ressourcenstarken Korridoren kommen Konzessionen über staatliches oder kommunales Land in Betracht; langfristige Konzessionen oder Erbpachtverhältnisse vermitteln Oberflächen- und Nutzungsrechte. Daneben bleibt der private Erwerb oder die langfristige Anmietung möglich, verbunden mit gründlicher Titelprüfung, Katasterabgleich und bauplanungsrechtlicher Analyse. Dienstbarkeiten und Wegerechte sichern Stromableitung, Wasserentnahme und Transportkorridore. Für exportorientierte Ammoniak- oder E-Fuels-Anlagen werden Küsten- und Hafenzonen mit den Hafenbehörden verhandelt.

Für Projekte unter der Offre Maroc gilt eine Besonderheit. Der Staat hat rund eine Million Hektar öffentliches Land in ausgewiesenen Energiezonen identifiziert, von denen eine erste Tranche von 300.000 Hektar schrittweise freigegeben wird. Ausgewählte Projekte der ersten Phase können bis zu 30.000 Hektar über vorläufige Flächenreservierungsvereinbarungen zu subventionierten Konditionen erhalten. Die Vergabe folgt dem Auswahlverfahren von MASEN, Investoren kaufen die Grundstücke nicht am freien Markt. Die Reservierungsvereinbarungen ermöglichen Machbarkeitsstudien und Engineering, bevor endgültige Verpflichtungen eingegangen werden. Einen Überblick über das allgemeine Grundstücksrecht gibt unser Beitrag zum Immobilienerwerb in Marokko durch ausländische Investoren.

Der Genehmigungspfad

Bankfähige Wasserstoffprojekte folgen einem gestuften Genehmigungsfahrplan. Am Anfang steht die Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung (ESIA) mit öffentlicher Konsultation und behördlicher Genehmigung. Hinzu kommen die Genehmigungen für Netzanschluss und private Leitungen, Wasserentnahme- und Entsalzungsgenehmigungen für die Wasserversorgung der Elektrolyse, industrie- und sicherheitsrechtliche Zulassungen für Produktion, Lagerung und Handhabung von Wasserstoff und Ammoniak, Export-, Zoll- und Hafengenehmigungen für den Terminalbetrieb sowie die Registrierung der Auslandsinvestition, der Devisenvorgänge und der Fördermaßnahmen.

Die erneuerbaren Anlagen eines Projekts müssen innerhalb der staatlich ausgewiesenen Wind- und Solarzonen liegen. Das Verfahren beginnt mit einem Projektvorschlag an MASEN, gefolgt von der Prüfung durch MASEN und einen Lenkungsausschuss, der insbesondere die finanzielle Leistungsfähigkeit und die Erfahrung in der Wertschöpfungskette bewertet. Anschließend werden die Flächenzuweisungen verhandelt, unter Beteiligung des Investitionsausschusses, des regionalen Wali beziehungsweise Gouverneurs und von MASEN. Erforderlich sind zudem die Umweltverträglichkeitsprüfung und die üblichen Bau- und Betriebsgenehmigungen mit Architekturplänen und Grundstücksunterlagen. Das Gesetz 40-19 (2023) hat bestimmte Genehmigungen im Erneuerbaren-Bereich vereinfacht.

Abnahmeverträge und Bankfähigkeit

Sponsoren strukturieren die Vermarktung in der Praxis über vier Grundmodelle: Export mit langfristiger Ammoniak-Abnahme (Take-or-pay-Strukturen, Preisuntergrenzen oder Preiskorridore), integrierte E-Fuels-Projekte mit diversifizierten Abnehmern aus Schifffahrt, Luftfahrt und Chemie, hybride Modelle mit inländischer Ankernachfrage sowie Corporate PPAs für den vorgelagerten Erneuerbaren-Teil.

Kreditgeber achten vor allem auf fünf Punkte: eine Vertragslaufzeit, die zur Fremdkapitalfälligkeit passt, transparente Preismechanismen, Zertifizierung und Herkunftsnachweise, belastbare Liefer- und Logistikregelungen sowie das Kredit- und Sicherheitenpaket. Langfristige, bankfähige Abnahmeverträge sind regelmäßig die Voraussetzung der Finanzierung, sei es mit inländischen Industrieabnehmern wie der OCP-Gruppe oder mit europäischen Käufern für Exportmengen. Hinzu treten die Stromlieferverträge für die Elektrolyse.

Anreize

Ein wasserstoffspezifisches Anreizregime besteht bislang nicht. Projekte profitieren jedoch von der Investitionscharta 2022 (Gesetz 03-22) mit direkten Investitionszuschüssen, Befreiungen von Mehrwertsteuer und Zöllen sowie Befreiungen von der Gewerbesteuer, ergänzt um den subventionierten Zugang zu öffentlichem Land in den ausgewiesenen Zonen. Einzelheiten zur Förderlandschaft behandelt unser Beitrag zu den steuerlichen Anreizen und Freihandelszonen in Marokko.

Zentrale Risiken und ihre Begrenzung

Das Ressourcen- und Intermittenzrisiko lässt sich durch hybride Solar-Wind-Portfolios und begrenzte Speicher abfedern. Genehmigungs- und Flächenrisiken werden durch frühzeitiges Standortscreening und Basisstudien reduziert. Bei der Wasserverfügbarkeit kommt es auf den Einsatz der besten verfügbaren Entsalzungstechnologie an. Zertifizierungs- und Marktzugangsrisiken sollten über anpassungsfähige Zertifizierungsklauseln in den Abnahmeverträgen aufgefangen werden. Beim Devisen- und Rückführungsrisiko gilt: Die Auslandsinvestition ist ordnungsgemäß zu registrieren und die Kontenstruktur so aufzusetzen, dass die Konvertibilität geschützt bleibt.

Fazit

Grüner Wasserstoff in Marokko liegt an der Schnittstelle von Energie-, Industrie- und Außenwirtschaftsrecht. Wer Flächensicherung, Genehmigungspfad und Abnahmestruktur von Beginn an zusammen denkt, verschafft seinem Projekt die Bankfähigkeit, auf die Kreditgeber und Abnehmer achten. Korte Amereller berät Sponsoren, Kreditgeber und Abnehmer über den gesamten Projektlebenszyklus, aus einem Team in Rabat, Casablanca, Berlin und Paris; über das Kanzleinetzwerk stehen mehr als achtzig Anwältinnen und Anwälte in Europa und der MENA-Region zur Verfügung. Wie sich das passende Projektvehikel aufsetzen lässt, zeigt unser Leitfaden zur Gesellschaftsgründung in Marokko für ausländische Investoren.

Häufige Fragen

Was ist die "Offre Maroc" für grünen Wasserstoff? Der im März 2024 vorgestellte Rahmen (Rundschreiben des Regierungschefs Nr. 03/2024) deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der erneuerbaren Erzeugung über die Elektrolyse bis zur Umwandlung in Ammoniak, Methanol und synthetische Kraftstoffe, offen für Export, Inlandsverwendung oder beides. MASEN dient als einheitliche Anlaufstelle für Projektbewertung und Umsetzung. Die Pipeline unter der Offre Maroc übersteigt bereits 319 Milliarden MAD, umgerechnet rund 35 Milliarden US-Dollar.

Wie wird ein Wasserstoff- oder Ammoniakprojekt genehmigt? Die erneuerbaren Anlagen müssen in staatlich ausgewiesenen Wind- und Solarzonen liegen. Der Weg führt über einen Vorschlag an MASEN, die Bewertung durch MASEN und einen Lenkungsausschuss (finanzielle Leistungsfähigkeit, Erfahrung in der Wertschöpfungskette) und anschließende Verhandlungen zur Flächenzuweisung mit Investitionsausschuss, regionalem Wali beziehungsweise Gouverneur und MASEN. Hinzu kommen Umweltverträglichkeitsprüfung und die üblichen Bau- und Betriebsgenehmigungen; das Gesetz 40-19 (2023) hat bestimmte Erneuerbaren-Genehmigungen vereinfacht.

Wie sichert sich ein ausländischer Investor Flächen? Der Staat hat rund eine Million Hektar öffentliches Land in Energiezonen identifiziert, eine erste Tranche von 300.000 Hektar wird schrittweise freigegeben. Ausgewählte Projekte der ersten Phase kommen für bis zu 30.000 Hektar über vorläufige Reservierungsvereinbarungen zu subventionierten Sätzen in Betracht. Die Flächen folgen dem Auswahlverfahren von MASEN, ein Kauf am freien Markt findet nicht statt.

Wer sind die zentralen Behörden und Abnehmer? MASEN bewertet die Vorschläge, koordiniert die Flächen und fungiert als zentrale Anlaufstelle für Genehmigungen und Projektbegleitung. ONEE betreibt das Netz und verantwortet den Netzanschluss. Die inländische Abnahme konzentriert sich auf die OCP-Gruppe (grünes Ammoniak für Düngemittel) und ONEE; exportorientierte Projekte adressieren europäische Käufer über langfristige Abnahmeverträge und Mechanismen wie H2Global.

Wie werden Abnahmevereinbarungen typischerweise strukturiert? Projekte stützen sich in der Regel auf langfristige Abnahmeverträge, mit inländischen Industrieabnehmern wie OCP oder mit europäischen Abnehmern für Exportmengen, ergänzt um die Stromlieferverträge für die Elektrolyse. Bankfähige, langlaufende Abnahmen sind üblicherweise die Voraussetzung der Finanzierung.

Welche Anreize stehen Wasserstoffinvestoren offen? Ein eigenes Wasserstoff-Anreizregime gibt es noch nicht; es gelten die Instrumente der Investitionscharta 2022 (Gesetz 03-22), also direkte Investitionszuschüsse, Mehrwertsteuer- und Zollbefreiungen sowie Gewerbesteuerbefreiungen, zusammen mit dem subventionierten Zugang zu öffentlichem Land in den ausgewiesenen Zonen.

Wenn Sie ein grünes Wasserstoffprojekt in Marokko prüfen oder vorantreiben, kontaktieren Sie uns für ein Erstgespräch.

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